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yincvisi.jpgყინწვისის ანგელოზი [khintsvisis angelozider Engel von Qinzwissi
Eingebettet in eine archaische Stille liegt im Herzen Georgiens die uralte Ortschaft Qinzwissi.
Georgien ist ein Land sakraler Architektur – heidnische Schreine und christliche Kirchen, die auf wundersame Weise unzählige Kriege und allerlei Unruhen überdauert haben. In diesem Land findet man kaum eine Landschaft, deren unvergessliches Panorama nicht von einem Sakralbau gekrönt wird. Sie wurden von den alten, georgischen Baumeistern in den wenigen friedlichen Zeiten geschaffen, die zwischen Kriegen und Unruhen lagen.
Seit ihrem Entstehen im 5. Jahrhundert griff die christliche georgische Architektur bereitwillig auf die in der Welt verbreiteten Architekturformen und –methoden zurück, während sie gleichzeitig ihren eigenen Stil entwickelte. Ein wichtiger Bestandteil der Sakralarchitektur Georgiens war die Wandmalerei, eine monumentale, starke Kunstform, die in der Glaubensgeschichte der Nation eine wichtige Rolle spielte. Neben den Szenen aus der Heiligen Schrift wurden auf den Fresken auch Könige und Fürsten verewigt.
Überall, wo georgische Sakralbauten stehen, beeindrucken sie mit ihrer Form und ihrer Sprache, mit der die Georgier ihre weltliche und geistliche Geschichte erzählten: Abchasien, Tao-Klardschetien, das Innenkartli. Beispielhaft hierfür sind: die Sioni-Kirche von Bolnissi (5. Jh.), das Dschwari-Kloster von Mtskheta (6./7. Jh.), das Oschki-Kloster (10. Jh.), die Kathedrale von Pizunda (10. Jh.), die Swetizchoweli-Kathedrale (11. Jh.), die Bagrati-Kathedrale (11. Jh.), das Sapara-Kloster (13. Jh.), das Sarsma-Kloster (14. Jh.) und das Ananuri-Kloster (16. Jh.).
Die Wände des Qinzwissi-Klosters aus dem 13. Jahrhundert sind ebenfalls bemalt und eben dort findet man eine von den vier Darstellungen der großen Königin Tamar. Allein das hätte schon ausgereicht, um dieses Kloster zu einem der bedeutendsten historischen Denkmäler Georgiens zu machen, doch da ist noch etwas Anderes, etwas Bedeutenderes, etwas Erhabeneres, etwas Immerwährendes.
Die Rede ist von einem Fresko, das ganz einfach „Der Engel von Qinzwissi“ genannt wird. Das Meisterwerk eines unbekannten Künstlers erscheint schwerelos, sanft, erhaben, mächtig und rein. Man könnte meinen, die Figur des Engels verkörpere den innersten Wunsch dieses gebeutelten Landes nach Frieden: das Sinnbild all dessen, wonach das Land seit jeher strebt.