Home Konzept >
რუსთაველი [rustaveli] wie Rustaweli
Wir wissen leider nicht viel über Schota Rustaweli, außer, dass er vor 900 Jahren gelebt hat. Möglicherweise verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Jerusalem, im georgischen Kreuzkloster, an dessen Wänden er als weißbärtiger Greis und Stifter des Klosters verewigt wurde. Wie dem auch sei, ist dieser außergewöhnlich kluge Geist, der Autor eines 1600 Strophen langen epischen Poems, voller höchster Poesie und den hehren Idealen der Renaissance. Dieses Werk heißt „Der Recke im Tigerfell“ und ist seit Jahrhunderten konstituierender Bestandteil der georgischen Nationalidentität. Darüber hinaus steht er für die höchste Vollendung georgischer Literatur – an ihm messen sich seit jeher georgische Autoren und Werke gleichermaßen. Die georgische Literatur war immer mehr als nur bloß Literatur. Über 16 Jahrhunderte hinweg stand sie unter orientalischem, byzantinischem und russischem Einfluss und durchlief die sowjetische Zensur, doch ausnahmslos waren alle bedeutenden Werke der georgischen Literatur auch sichtbarer Ausdruck europäischer Ideen und Ideale. Rustaweli ist und bleibt mit seinem Werk deren Maßstab. Es gab Zeiten, da waren Schriftsteller die Führer der Nation, ihre Propheten, ihre Beschützer, ihre Erbauer und manchmal auch ihre einzige Hoffnung. In dieser Zeit durchlief die Literatur die Romantik und gelangte zum Futurismus - sie schritt weiter voran, in Richtung Europa. Es gab aber auch Zeiten, in denen längst vergessene Autoren mitsamt ihrer Ideen und Idealen über das Ausland ihren Weg nach Georgien zurückfanden und der Literatur im Land neue Lebenskraft einhauchten. Diese Prozesse verwundern nicht, denn Georgien ist ein Land der Literatur.