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ფიროსმანი [pirosmaniwie Pirosmani
Ein großer, abgemagerter, wortkarger, alleinstehender Mann – seine Kleidung ein wenig schäbig, sein Gemüt trübsinnig – der unter anderem als Lokomotivführer und erfolglos als Händler tätig war. Er war noch keine 60, als er gegen Ende des Ersten Weltkrieges mittel- und obdachlos verschied, so dass seine letzte Ruhestätte unbekannt ist. Dieser Mann war der Maler Niko Pirosmani, ein Autodidakt, ein Genie und Virtuose, ohne den Georgien undenkbar ist. Seine Werke bilden so eindringlich das georgische Leben ab, dass, sollte das Land je von der Bildfläche verschwinden und nur diese Werke übrig bleiben, sie als Beweis seiner Existenz völlig ausreichen würden. Die bildende Kunst in Georgien beginnt aber nicht mit Pirosmani und sie endet auch nicht mit ihm. Hinter Pirsomani stehen jahrhundertealte Wandmalereien, die tbiliser Portraitmalerei aus dem 19. Jahrhundert, sowie der gesamte georgische Kulturraum mitsamt seinen Traditionen. Pirosmani lebte zu einer Zeit, in der die georgische Malerei förmlich aufblühte. Anfang des 20. Jahrhunderts reichte sie sogar bis nach Paris. Später folgte die georgische Avantgarde sowie die „Georgische Künstlervereinigung“, deren wichtigstes Ziel es war, die nationalen Schätze zu sammeln und zu bewahren. Für Staaten, die oft unter Fremdherrschaft standen, war dies stets ein wichtiges Anliegen. Eben diese Eigenschaft bedingte von Anfang an einen gewissen doch entscheidenden Unterschied zwischen der europäischen und der georgischen Avantgarde. Der große Theoretiker unter den georgischen Malern – Dawid Kakabadse – war der Meinung, dass die damalige georgische Malerei „zeitgenössisch und national“ zu sein hatte, gleichzeitig aber mit Europa in Verbindung stehen sollte. Zu jener Zeit war Georgien Teil des globalen künstlerischen Prozesses. Doch dann folgte die Sowjetära: Einschränkungen, Zensuren, Isolation, heimliche Ausstellungen und Jahrzehnte von offizieller und inoffizieller Kunst, auf die unweigerlich die Freiheit folgen musste. Die Freiheit brachte die Befreiung für die Kunst und erlaubte es ihr, wieder Teil jenes globalen, künstlerischen Prozesses zu werden.