ბანი [bani] wie Dachterrasse
„Bani“ bezeichnet im Georgischen das flache Dach eines an einem Hang gelegenen Hauses. Es hat weder Dachziegel noch eine Regenrinne und Fenster hat es auch keine. Bani ist ein aus Erde gestampftes Flachdach - eine Art gestufte Dachterrasse - das über Jahrhunderte hinweg insbesondere in den Dörfern, aber auch in den Städten Ostgeorgiens verbreitet war. Die Architektur stellte schon immer einen der Stützpfeiler des kollektiven Gedächtnisses des georgischen Volkes dar. Die Geschichte dieses Landes, das an der Gabelung der großen Handelswege, die von Osten nach Westen führten, liegt, lässt sich auch anhand seiner Bauwerke erzählen. Die georgischen Dächer stellen eines dieser architektonischen Elemente der georgischen Geschichte dar. Auf der einen Seite die islamische Welt, auf der anderen das byzantinische Reich und dazwischen Georgien. Die georgische Architektur spiegelte in vollem Maße die Verschmelzung dieser drei Richtungen im Laufe vieler Jahrhunderte wider. Im 19. Jahrhundert erschien in Georgien die europäische Architektur und mündete organisch in diese Fusion, indem sie das georgische Kolorit beibehielt. Um eine stabile, georgische Dachterrasse zu bauen, müssen darunter mehrere Holzschichten verlegt werden: ganze Stämme, Leisten und Äste. In Georgien, wo die Nachbarn immer alles wissen, sogar was der eine oder der andere zum Mittagessen hatte, stellten diese Dachterrassen eine ganz besondere Form der nachbarschaftlichen Beziehungen dar. Klimatisch bedingt verbrachten die Menschen die meiste Zeit des Tages sowie des Jahres eben auf diesen Dachterrassen. Sie waren die Voraussetzung für ein offenes nachbarschaftliches Miteinander. Nicht minder als das georgische Schrifttum oder der georgische Gesang, stellen die georgischen Bauwerke  das sichtbare Gedächtnis der georgischen Existenz dar, sie stärken die georgische Lebensweise und die georgische Kultur.